[Kurzrezension] Maxe L’Hermenier, Looky & Dem: Die Schöne und das Biest

Der ein oder andere geneigte Leser hat es bestimmt schon bemerkt: ich liebe Die Schöne und das Biest. Logisch, dass ich so ziemlich alles, was thematisch in die Nähe kommt, direkt meine Aufmerksamkeit anzieht und so geschah es, dass ich auf der Leipziger Buchmesse dieses Comicbuch aus dem Hause Splitter mit nach Hause nehmen durfte. Da es ein Rezensionexemplar ist, möchte ich mich noch einmal dafür beim Verlag bedanken und darauf hinweisen, dass dieser Beitrag Spuren von Werbung enthalten kann.


Klappentext:

Der weltberühmte Stoff als atemberaubende Neuinterpretation.
Belle lebt bescheiden in einem kleine Haus zusammen mit ihren beiden Schwestern und ihrem Vater. Wenn sie nicht gerade gezwungen ist, den Launen ihrer zickigen und auf ihre Schönheit neidischen Schwestern nachzukommen, zieht sie sich am liebsten mit ihren Büchern in ihre Traumwelt zurück. Doch eines Nachts wird ihr Dorf von einem fliegenden Schiff angegriffen, aus dem Dämonen steigen, die sich der schmutzigen Seelen der Dorfleute bemächtigen. Aus Liebe bittet Belle diese, ihre Familie im Gegenzug für ihr Leben zu verschonen. Sie trifft daraufhin den Anführer, das Biest, und wird so in den Strudel eines furchtbaren Fluchs hineingezogen…

Details:

* Splitter Verlag * 96 Seiten * Comic * 19,80 € * Erschienen am 01.09.2015 *


Ja, wie gesagt, ich bin ein großer Fan des französischen Märchens und natürlich vor allem von der Disney-Variante. Dass ich es mit der hier aber nicht zu tun haben werde, war mir schon beim ersten Blick auf das Cover bewusst. Trotzdem freute ich mich über diesen Fund, denn jegliche Adaptionen der Geschichte fanden bei mir bisher ein gutes Zuhause. Dieser Comic allerdings konnte mich nicht überzeugen.

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In der Geschichte geht es um Bella, die in einem kleinen Dorf aufwächst und im ersten Moment eher wie Aschenputtel wirkt. Das lag vor allem an den zwei verwöhnte Schwestern, die keinen Finger krumm machen und der gutmütigen Protagonistin so das Leben erschweren. Doch die familiäre Idylle wird jäh unterbrochen, als des Nachts ein Dämonenschiff im Dorf vorbeischaut und böse Seelen einsammelt und auch Bella, die aufgrund der Reinheit ihrer Seele mit an Bord genommen wird, denn der Captain, das Biest, hat seine ganz eigenen Pläne mit ihr…

So weit, so gut, dachte ich mir. Warum konnte mich die Adaption dann nicht überzeugen? Das liegt vor allem daran, dass diese Adaption mit der Ursprungsgeschichte kaum noch etwas zu tun hat, denn die teilen sich eigentlich nur noch den Namen, einen ähnlichen Namen der Protagonistinnen, einen Spiegel und einen Fluch. Ach, und Rosen! Ja, ein paar Rosen gibt es auch noch. Nein nein, auch wenn ich gerade etwas sarkastisch rüberkomme, muss ich sagen, dass ich die Grundidee wirklich sehr interessant finde. Nur die Umsetzung war leider nichts. Es gibt im Laufe der Story überhaupt keine charakterlichen Entwicklungen. Kleines Beispiel: Bella ist bei dem Biest auf dem Schiff und irgendwie hat man das Gefühl, dass sie direkt die dicksten Freunde sind, obwohl er sie ja entführt hat. Stockholm-Syndrom in Zeitraffer? Ich weiß auch nicht so richtig… Auch dass sie für ihn eher Mittel zum Zweck ist, akzeptiert sie freudestrahlend und hinterfragt… nichts? Der Leser muss meiner Meinung nach viel zu viel als gegeben hinnehmen und bekommt kaum die Möglichkeit sich in die Figuren hineinzufühlen, was ich unheimlich schade finde, denn dazu hätte es mehr als genug Gelegenheiten gegeben. Leider wurden diese Chancen nicht genutzt und man bekommt eine teils völlig unlogische Story (samt merkwürdigen Dialogen) präsentiert.

Einzig die eindrucksvollen Bilder können hier noch etwas retten. Der Illustrator hat ganze Arbeit geleistet und einen schwachen Plot mit großartigen Zeichnungen hinterlegt. Angefangen mit farbenfrohen Impressionen einer kleinen Dorfidylle, über prächtige Bilder des Dämonenschiffs bis hin zu düsteren, bedrückenden Momenten, wenn die Seelenjagd beginnt oder der Fluch zur Sprache kommt. Visuell bleiben also keine Wünsche offen und zumindest in der Hinsicht kann das Comicbuch Pluspunkte sammeln, auch wenn ich es insgesamt dennoch sehr schwach finde.


Ich finde es wirklich schade, dass mich mein zweiter Splitter-Comic nicht mitreißen konnte, doch der Verlag hat zum Glück noch einiges zu bieten, daher kann ich diesen kleinen Fehlschlag ganz gut verkraften. Jeder greift mal daneben, oder?

Signatur 2

8 Kommentare zu „[Kurzrezension] Maxe L’Hermenier, Looky & Dem: Die Schöne und das Biest

  1. Liebe Rika,
    danke für diese ehrliche Rezension!
    Deine Kritikpunkte klingen nachvollziehbar, das hätte mich vermutlich auch gestört.
    Dennoch bin ich jetzt erst recht neugierig, hehe.
    Schön, dass dir die Zeichnungen so gut gefallen haben!
    Das was ich auf den Fotos sehen kann finde ich auch super cool.
    Vor allem das düstere spricht mich sehr an.

    Liebe Grüße,
    Nicci

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Nicci,
      haha, ich kann absolut verstehen, dass du jetzt neugierig bist. :D Jill hatte mich ja auch schon in Leipzig davor „gewarnt“, aber ich muss sagen, dass sie recht behalten hat.
      Ich bin aber mal gespannt, ob es dich überzeugen kann. :)

      Liebst,
      Rika

      Gefällt 1 Person

  2. Huhu,

    ich muss sagen „Die Schöne und das Biest“ ist auch einer meiner Lieblinge. Der Arbeitskollege meiner Mutter ist nebenher Laienschauspieler und seine Theatergruppe hat „Die Schöne und das Biest“ einmal als Stück aufgeführt. Neben mir und meiner Mutter waren eigentlich nur kleine Kinder im Publikum :D Aber ich habe es geliebt.
    Der Comic sieht eigentlich richtig gut aus, so vom Cover her. Schade das er im Endeffekt nicht überzeugt. Ich bin ja auch schon eine Weile versucht mir einen Comic aus dem Splitterverlag zuzulegen, aber bisher habe ich noch nichts gefunden bei dem ich absolut zugreifen musste. Bei einer „Die Schöne und das Biest“ Adaption wäre ich ja echt auch versucht gewesen, aber dann lasse ich wohl doch lieber die Finger davon. :)

    Liebe Grüße
    Lee.

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    1. Hallo Lee,
      das mit dem Theaterstück klingt richtig cool! Wir haben vor ca. zwei Jahren auch das Musical gesehen. Kennst du das? :)
      Also ich muss sagen, dass meine Splitter-Wunschliste sehr lang ist, aber ich bisher sonst nur Van Hellsing vs. Jack the Ripper gelesen habe. Dazu habe ich auch eine Rezension geschrieben, falls du dort mal reinlesen möchtest.
      Mein erster Splitter war übrigens Frostfeuer von Kai Meyer, das es dort als Comic gibt. Ich habe es noch nicht gelesen, aber ich bin von den Zeichnungen jetzt schon fasziniert und hoffe, dass ich bald die Zeit dazu finde. :)

      Ich bin gespannt, welcher Splitter-Comic dein erster sein wird. :)

      Liebst,
      Rika

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    1. Liebe Jill,

      du hattest mich ja schon vorgewarnt und halt auch leider Recht behalten. Doch davon lassen wir uns ja nicht entmutigen und bald kommt schon die nächste Comic-Rezi. :)

      Liebst,
      Rika ♥

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