[Rezension] Leigh Bardugo: Grischa– Goldene Flammen

Nachdem mich Leigh Bardugo mit ihrem Beitrag zur DC Icons-Reihe „Wonder Woman– Kriegerin der Amazonen“ so überraschend in mein Herz geschlichen hatte, konnte ich mich gar nicht wirklich aus den Fängen der Autorin befreien. Nachhaltig beeindruckt, griff ich so zu einem ihrer früheren Werke: „Grischa– Goldene Flammen“. Den ersten Band findet man zu sehr humanen Preisen auf allen möglichen Plattformen, auf denen man gebrauchte Bücher findet und während ich schon seit Monaten auf der Suche nach Band 2 und 3 bin, überlege ich jetzt, ob es mir das überhaupt wert ist…

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Klappentext:

Alina ist einfache Kartografin in der Ersten Armee des Zaren. Dass sie heimlich in Maljen verliebt ist, ihren besten Freund seit Kindertagen, darf niemand wissen. Schon gar nicht Maljen selbst, der erfolgreiche Fährtenleser und Frauenschwarm. Bei einem Überfall rettet Alina Maljen auf unbegreifliche Weise das Leben. Doch was sie da genau getan hat, kann sie selbst nicht sagen. Plötzlich steht sie im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und wird zum mächtigsten Grischa in die Lehre geschickt. Geheimnisvoll und undurchschaubar, wird er von allen der Dunkle genannt. Aber wieso fühlt sie sich von ihm so unwiderstehlich angezogen? Und warum warnt Maljen sie so nachdrücklich vor dem Einfluss des Dunklen?

Details:

* Carlsen Verlag * 348 Seiten * Hardcover * nur gebraucht erhältlich oder als eBook * Erschienen am 24.08.2012 *


Ich hatte mich auf die Geschichte der Grischa unheimlich gefreut. Schon der Anblick der Karte im Buch, die mir den Eindruck eines von Russland inspirierten Settings gab, ließ mein Herz höher schlagen. Sie ist so wunderschön gezeichnet und ist meines Erachtens ein absoluter Eyecatcher. Ich saß teilweise einfach nur da und habe diese Karte betrachtet, weil sie mich so sehr in den Bann gezogen hat. Generell ist allein die Aufmachung des Buches es wert es im Regal stehen zu haben, denn sowohl die Gestaltung des Umschlags, als auch das Design des Buches selbst sind wunderschön und definitiv einen zweiten Blick wert.

Die Geschichte selbst handelt von Alina, einem einfachen Waisenkind, das ihr gesamtes Leben an der Seite ihres besten Freund Maljen verbracht hat. Als Teil der Armee des Zaren marschieren sie quer durch das Land, als Alina plötzlich Maljen das Leben rettet und sich ihres dadurch völlig ändert. Leider bleiben alle Charaktere für mich eher eindimensional und vor allem Alinas Entwicklung warf bei mir viele Fragen auf. Sie wirkt unheimlich naiv und unsicher, teils auch unsympathisch, was für mich nicht gerade die besten Voraussetzungen für eine gelungene Story sind. Auch Maljen bleibt für mich platt, fast lieblos und wenn ich so darüber nachdenke, könnte ich keine einzige Figur benennen, die mir nur im entferntesten ans Herz gewachsen ist oder mit der ich hätte mitfiebern können.

Ähnlich flach und teils vorhersehbar ist auch die Geschichte um die Grischa, die mich in ihrer Beschreibung ein wenig an Geischas mit magischen Kräften erinnerten. Doch selbst mit der Erklärung der verschiedenen Arten der Grischa fiel es mir schwer in die Story hineinzukommen und zu verstehen, worum es eigentlich geht. Mir fehlte der Einstieg und eine Erklärung zu der vorherrschende Gesellschaftsordnung und zu den Fähigkeiten der einzelnen Gruppen der Grischa. leider waren mir die, die das Buch hergab nicht umfassend genug, sodass ich immer wieder vorblättern musste, um nachzuschlagen, welche Grischa welche Kräfte besaß. Das wiederum riss mich zunehmen aus dem Lesefluss und machte das Lesen sehr mühselig.

Doch nicht nur die ständigen Unterbrechungen bereiteten mir Probleme der Handlung zu folgen. Da immer wieder, zumindest für die Geschichte im ersten Band, unwichtige Situationen beschrieben wurden, verlor ich schnell den Blick für das Wesentliche. Dadurch ergaben manche Geschehnisse für mich überhaupt keinen Sinn und wirkten an den Haaren herbeigezogen und selbst für einen Fantasyroman unglaubwürdig. Trotz des recht einfach gehaltenen Schreibstils kam ich so nur sehr langsam voran, musste teilweise ganze Passagen zwei mal lesen und legte das Buch oft wieder zur Seite, um nach einem anderen zu greifen.

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Ich bin ehrlich: ich wollte dieses Buch mögen. Ich wollte vor mir und vor meinem Freund und allen anderen Menschen da draußen eine Rechtfertigung haben, um unheimlich viel Geld in die Hand zu nehmen und mir den zweiten und dritten Teil als Hardcover irgendwie herbei zu beschwören. Doch Alinas Geschichte rechtfertigt diese horrenden Summen meines Erachtens überhaupt nicht und ist ein Beweis dafür, dass nicht die Geschichte diesen Wert erzielt, sondern einfach der Status als Rarität.

Da „Das Lied der Krähen“ der Autorin, welches auch im Grischa-Universum spielt, auf meiner Leseliste ziemlich weit oben steht, werde ich die Trilogie wahrscheinlich als eBook fortsetzen und ich hoffe sehr, dass mein Eindruck vielleicht noch revidiert werden kann. Der erste Band ist für mich leider nur ein Mittelding mit einigen Schwächen, wobei ich vielleicht durch „Wonder Woman“ einfach sehr hohe Erwartungen an Leigh Bardugo hatte, die sie mit ihrem Debütroman nicht erfüllen konnte. Ob es besser gewesen wäre mit Grischa zu starten? Wer weiß. Doch ihre Entwicklung als Autorin ist definitiv bemerkenswert, wenn man die beiden Bücher miteinander vergleicht.


Damit haben wir das erste Buch in diesem Jahr, das mir nicht ganz so gut gefallen hat. Es wäre aber auch zu merkwürdig gewesen, wenn ich nur Highlights oder tolle Bücher lesen würde. Ich hoffe sehr, dass die beiden anderen Teile mich eines Besseren belehren und mich noch zum Fan der Grischa-Reihe umwandeln können. Warten wir es mal ab!

Signatur 2

6 Kommentare zu „[Rezension] Leigh Bardugo: Grischa– Goldene Flammen

  1. Guten Morgen, Liebes!

    Das klingt ja wirklich nicht so prickelnd und unfassbar schade. Genau wie du sagst, da scheint ja die Geschichte den Preis nicht zu rechtfertigen. Ich habe „Grischa“ bisher ja noch nicht gelesen und bin daher echt etwas skeptisch … Aber mal sehen, vielleicht kann mich die Geschichte ja doch begeistern.

    Liebste Grüße,
    Wiebi

    Gefällt 1 Person

    1. Hey meine Liebe,

      mir fällt gerade auf, wie lange ich keine Kommentare mehr bearbeitet habe– ach du liebes Lieschen… 😀

      Ja, leider ist Grischa auf meiner Prioritätenliste gaaaaaaaanz weit nach unten gerutscht.
      Vielleicht liegt dir die Story ja mehr. Ich bin auf jeden Fall gespannt, was du dazu sagst!

      Liebst,
      Rika ♥

      Gefällt 1 Person

  2. Liebe Rika,
    ich habe jetzt mal nur dein Fazit gelesen.
    Schade, dass es nur ein Mittelding für dich war.
    Witzig finde ich, dass viele Wonder Woman als mittelmäßig bezeichnen, nachdem sie Grischa und/oder Das Lied der Krähen gelesen haben 😀

    Ich habe ja immerhin Band 1+2 von Grischa, mal schauen ob ich jemals den 3. Band ergattern kann.
    Ansonsten halt eBook..
    Eigentlich habe ich ja immer noch die Hoffnung, dass sie neu auferlegt werden, jetzt, wo das Krähenbuch auf Deutsch erschienen ist.

    Liebe Grüße,
    Nicci

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Nicci,
      ich bin auch mal gespannt, ob sich Carlsen wegen der Grischa-Flaute irgendwas einfallen lässt, aber bisher halten sie sich damit ja doch sehr bedeckt.
      Mal schauen, ob dir die Geschichte mehr liegt. Das Lied der Krähen kenne ich ja bisher noch nicht, aber Wonder Woman fand ich absolut großartig.
      Wer weiß, was die anderen gelesen haben, wenn sie Grischa besser fanden. xD Nein, Spaß. Jeder hat da ja seine eigene Meinung. 🙂

      Liebst,
      Rika ♥

      Gefällt 1 Person

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