[#WritingFriday] Scars Traum

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Eine Aktion der lieben Elizzy von readbooksandfallinlove

Kurz zur Erklärung: Jeden Freitag werden die Teilnehmer einen kreativen Beitrag veröffentlichen. Dieser basiert auf einem der Themen, die Elizzy im Vorfeld zur Auswahl gestellt hat. Die Regeln, andere Teilnehmer und weitere Themen findet ihr unter dem oben angegebenen Link zu Elizzys Blog.

Mein drittes Thema: Beschreibe den letzten Traum, an den du dich erinnerst, so detailliert wie möglich.

Da ich mich an meine Träume aber prinzipiell nur sehr selten erinnere, habe ich diese Aufgabe einfach etwas freier interpretiert und so komme ich heute in die Verlegenheit euch Scarlet vorstellen zu dürfen. Ich möchte euch gar nicht so viel von ihr erzählen, aber ich wünsche euch viel Spaß!


Mit einem wohligen Seufzer ließ Scarlet sich auf das Bett fallen. Die Matratze war nach den Jahren der Benutzung zwar durchgelegen, aber es gab für sie kein Fleckchen Erde, dass sich mehr wie Zuhause anfühlte, als dieses Bett. Träge rollte sie sich auf den Rücken und schob sich die Stiefel von den Füßen, ehe sie sich aufrichtete und das braune Ledermieder öffnete und schwungvoll von sich warf. Wie sie diese Dinger doch hasste! Als ob sie es nötig hätte ihre Brüste noch mehr in die Höhe zu schrauben. Die Männer gafften ihr ohnehin ständig in den Ausschnitt, wendeten aber oftmals den Blick ab, wenn dieser sich dann doch einmal in ihr Gesicht verirrte. Doch die Abneigung dieser notgeilen Böcke brachten sie kaum um den Schlaf.

Während sie nun so auf ihrem Bett lag, spürte sie, wie der Alkohol ihre Lider schwer werden ließ. Nachdem sie den Auftrag erfolgreich erledigt hatte, wurde in der Schenke wieder kräftig darauf angestoßen und Crayne hatte ein ums andere mal darauf bestanden Bier und Rum für die Brüder der Chayka auszugeben. Ablehnen war keine Option gewesen, obwohl alle wussten, dass sie mit ihrer Statur nicht einmal die Hälfte von dem hätte wegsaufen können, was Crayne für sie vorgesehen hatte. Am Ende hatte sie so getan, als hätte sie die rothaarige Magd ins Auge gefasst, war mit ihr unter dem Gegröle der trinkenden Männer aus der Spelunke verschwunden und hatte dem Mädchen dann zwei Silberlinge zugesteckt, damit sie ihnen am nächsten Tag erzählte, sie wäre mit zu ihr gegangen. In Wahrheit hatte Scar gar keine Lust auf Begleitung gehabt und nun lag sie hier und glitt allmählich in einen unruhigen Schlaf.

Plötzlich fand sich Scar unter der riesigen Eiche vor dem alten Anwesend ihrer Eltern wieder. Ein schneidender Wind zog an ihren Haaren, während sie verwirrt zur einst weißen Fassade des Herrenhauses hinüberblickte. Selbst von hier aus konnte sie die zerrissenen Vorhänge erkennen, die der Wind gespenstisch tanzen ließ, als er durch die zerbrochenen Fensterscheiben wehte.

Plötzlich öffnete sich die große Eingangstür, doch ein paar Sekunden lang passierte nichts. Scar starrte gebannt in das dunkle Foyer und sie spürte, wie ihr der Schweiß auf die Stirn trat. Dann erschienen ihre beiden kleinen Schwestern im Türrahmen, flankiert von Männern in Schwarz. Oder eher schwarze Männer? Außer ihrer breiten Statur konnte sie von den Männern nichts erkennen. Sie schubsten die Mädchen vor sich her die wenigen Stufen nach unten, als hinter ihnen Scars restliche Familie aus dem Haus geschubst wurde.

Sie wollte zu ihnen laufen, sie umarmen, sie  halten, sie einfach beschützen, denn sie wusste, was gleich kommen würde. Tränen verschleierten ihren Blick, ihre Arme und Beine versagten ihr den Dienst und sie rutschte an der rauen Rinde des Baumes hinab, um zu einem kleinen Häufchen Kummer in sich zusammen zu fallen. Ihr Tat alles weh, doch sie konnte sich nicht abwenden. Bis zu letzten Sekunde wollte sie das Bild ihrer Familie in sich aufsaugen, um dann davon zehren zu können. Sie wollte ihre Wut und ihren Hass daraus befeuern.

Der Wind frischte noch einmal auf und wehte ihr die Haare ins Gesicht. Unwirsch strich sie sie weg, um nichts zu verpassen. Eine Gänsehaut überzog ihre Arme und ein eiskalter Schauer lief ihr über den Rücken. Klick, klick, klick, klick. Eine nach der anderen wurden die Pistolen entsickert. Schuss, Schuss, Schuss, Schuss und einer nach dem anderen fielen die Menschen, die sie liebten in den kalten Schnee. Der Kopf ihres Vaters berührte soeben den Boden…

Schweißgebadet schreckte Scar hoch und atmete schwer. Wie viele Jahre machte dieser Traum ihr nun schon das Leben schwer? Sie hatte die Hinrichtung ihrer Familie nicht angesehen und doch lief sie immer gleich ab. Anfangs nannte sie es Albtraum, heute war es der Brennstoff ihrer Arbeit.

Scar war längst nicht ausgeschlafen, geschweige denn nüchtern. Im Bett hielt es sie trotzdem nicht länger. Eine ihr wohlbekannte innere Unruhe hatte sie gepackt und trieb sie dazu an sich anzuziehen. Alles, was sie jetzt brauchte, war ein neuer Auftrag.


Signatur 2

13 Kommentare zu „[#WritingFriday] Scars Traum

    1. Liebe Felicitas,

      schön wär’s. Es sind leider bisher nur ein paar Kapitel, aber ich gebe mein Bestes.
      Deine Worte machen aber Mut und ich freue mich unheimlich darüber. Danke! ❤

      Liebst,
      Rika

      Gefällt mir

    1. Liebe Ella,

      naja, so ungefähr. x) Die Szene ist tatsächlich nur ein Teaser, um mal zu sehen ob und wie es so ankommt. In der Geschichte selbst wird die nicht auftauchen. 🙂
      Aber ich freue mich über deine Worte. Vielen Dank! ❤

      Liebst,
      Rika :*

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    1. Liebe Daniela,

      da hat aber jemand gut aufgepasst. 😉 Auch der Satz „[…] wendeten aber oftmals den Blick ab, wenn dieser sich dann doch einmal in ihr Gesicht verirrte.“ ist ein kleiner Hinweis auf ihren Spitznamen, aber ich möchte ja nicht zu viel verraten. 🙂
      Vielen Dank auf jeden Fall. Ich hoffe sehr, dass Scarlet und ich bald zu einem Abschluss kommen und vielleicht liest man ja nochmal ein bisschen mehr von ihr.
      Deinen Beitrag schaute ich mir direkt mal an.

      Liebst,
      Rika

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  1. Liebe Rika,
    was für eine unglaublich schöne Geschichte und wie du schreibst! Total schön, ich habe gespannt und gebannt gelesen und muss sagen: Du musst irgendwann schreiben! Du hast es nämlich drauf, ich hatte deine Welt vor Augen und würde mir sehr wünschen, dass du irgendwann Scars gesamte Geschichte erzählst. Danke, dass du es mit uns Lesern geteilt hast.

    deine Ümi ❤

    Gefällt 1 Person

  2. Liebe Ümi,

    vielen, vielen Dank! ❤
    Ich habe so mit mir gehadert, ob ich mich schon traue etwas von ihr bekannt zu machen und ich bin unheimlich glücklich, dass die Reaktionen so positiv sind. Das bedeutet mir sehr viel!
    Auf jeden Fall werde ich mir Mühe geben Scars Geschichte endlich fertig zu schreiben und vielleicht fällt sie dir auch irgendwann in die Finger. Ich würde mich sehr freuen!

    Ich drück dich,
    Rika ❤

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  3. Hey liebe Rikka,

    vielen Dank für diesen ersten Einblick in deinen Roman. Das ist genau die Art Stoff, die ich liebe. Ich erahne da eine düstere Fantasy- oder Historygeschichte. Außerdem mag ich die Cleverness, mit der Scarlet sich der Situation in der Taverne entzieht. Sie scheint überhaupt eine sehr entschlossene, mutige junge Frau zu sein. Ich mag auch die angedeutete Schäbigkeit ihrer Unterkunft und die schlechte (sprich kriminelle?) Gesellschaft, in der sie sich offenbar befindet.
    Und dann der eigentliche Traum – so düster und atmosphärisch. Das ist sehr viel Spannung in einem so kurzen Text. Es gibt ein paar handwerkliche Kleinigkeiten, wie z.B. die zwei Absätze nacheinander, die mit Plötzlich beginnen. Aber das ist nichts, was dir jetzt Sorgen bereiten sollte! Das passiert jedem Autor und kommt dann irgendwann bei der Überarbeitung raus. Erstmal macht dieser Textausschnitt unglaublich neugierig auf Scar und ihre Geschichte.
    Bitte schreibe diesen Roman zu Ende!
    Und solltest du zwischendurch unsicher sein oder Zweifel haben, dann lass dich davon nicht runterziehen. Fast jeder Autor, den ich kenne, hat ziemlich mit Zweifeln zu kämpfen. Wenn du kannst, dann erinnere dich immer wieder daran, was du an deinen Figuren und deinem Roman liebst 🙂 Und schreib dann weiter.

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Sarah,

      vielen, vielen Dank für deinen lieben und ausführlichen Kommentar! Ich bin gerade echt fasziniert, was du aus so einem kurzen Text alles rausholst und freue mich tierisch darüber!
      Auch dein Zuspruch bedeutet mir viel und motiviert mich unheimlich! ❤️
      Ganz lieben Dank dafür!

      Gefällt mir

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