T. F. Sperling: Tiefenwelt- Zwei Leben

Das Leben in der Nordstadt ist menschenunwürdig. Wie Sklaven trotten die Bewohner täglich zu ihrer Arbeitsstätte in den Westwerken, um sich für einen Hungerlohn krumm zu schuften. Doch Lenyo will dieses Leben nicht mehr führen und nimmt es dafür auch in Kauf von seiner Familie getrennt zu sein! Er lässt die Nordstadt hinter sich und schließt sich den Rebellen in der Tiefenwelt an, um mit ihnen für bessere Lebensumstände für alle zu kämpfen. Doch zahlen sich die Opfer, die er bringen muss auch wirklich aus, kann seine Familie ohne ihn in der Nordstadt überhaupt überleben und kann Lenyo den Kampf gegen die Mühlen des Systems gewinnen?


Klappentext:

„Tiefenwelt“: Eine Spritze. Zwei Leben. Der 15-jährige Lenyo verlässt seine in Armut und Unterdrückung lebende Familie, um sich in einem geheimnisumwobenen Bunkerlabyrinth unter der Nordstadt mit den Rebellen auf den Kampf gegen das skrupellose Regime vorzubereiten. Doch Lenyo ahnt nichts von seiner schicksalhaften Gabe, von der wahren Identität der faszinierenden Tiefenwelterin Lielle und von dem tödlichen Virus, das seine Familie auszulöschen droht.

Details:

* DrachenmondVerlag * 370 Seiten * Taschenbuch * 14,90 € * Erschienen am 25.03.2017*


DSC_1501Ich muss vorab gestehen, dass ich auf Tiefenwelt- Zwei Leben reichlich gespannt war. Theresa, die Autorin, habe ich im Dezember letzten Jahres bei einer Lesung anderer Autoren im Drachennest kennen gelernt und direkt ins Herz geschlossen. Bisher kannte ich nur ihre Poetry Slam- Texte und die liebe ich abgöttisch! Ob ich deshalb beim Lesen etwas befangen war? Vielleicht, denn ich wollte Theresa so gern eine positive Rezension schenken, doch ich musste ehrlich mit mir selbst sein…

Lenyo ist für mich ein typischer Teenager und der perfekte Protagonist für eine Jugend-Dystopie. Er scheint etwas unbeholfen, weiß selbst nicht so richtig wohin mit sich und versucht dabei dennoch das Richtige zu tun. Kurzum: neben den ganzen Problemen, die er mit sich selbst auszufechten versucht, möchte er auch sein Umfeld ändern, um sich und seiner Familie ein besseres Leben zu ermöglichen. Dabei entdeckt er auch, dass er sogar das Potential und die Fähigkeiten hat wirklich etwas beim Kampf der Rebellen gegen die Regierung zu bewirken. Und obwohl er wirklich sehr gut beschrieben wird, kann ich mich weder in ihn noch in die anderen Charaktere wirklich hineinfühlen. Auch ein paar Bewohner der Tiefenwelt werden genauer beschrieben und bekommen somit etwas mehr Tiefe, doch Theresas detailsreicher Schreibstil malt zwar Bilder in meinem Kopf und ich kann mir die Umgebung gut vorstellen, doch gefühlsmäßig erreichen mich nicht alle Situationen. Irgendwie fehlt mir dort immer noch der letzte Funke, der mich für das Buch brennen lässt.

DSC_1829Was mir allerdings gut gefällt, ist die Verknüpfung der verschiedenen Handlungsstränge durch die Perspektivwechsel zwischen Lenyo und seiner Familie. Mal erfährt man, wie es bei den Rebellen weitergeht, mal betrachten wir die Story aus Sicht der Mutter, deren Leben sich vor allem um das tödliche Virus dreht und dann begleiten wir den Bruder oder den Vater auf ihren Wegen. Jede Geschichte für sich gesehen bietet viel Potential und werden sehr gut ausgeführt und wieder verknüpft, doch kommen mir die Wechsel manchmal etwas zu abrupt, wodurch die sich gerade erst aufbauende Spannung zu oft unterbrochen wird und dadurch leider auch immer wieder verloren geht.

Und dann ist da noch das Ende. Dieser furchtbare Plot-Twist, der mir ein hübsches WTF mitten ins Gesicht gezaubert hat. Nein, es ist nicht ganz so dramatisch wie bei Avas Mondprinzessin, aber das Gefühl ist so ziemlich das selbe und dann die zentrale Frage „Warum mussten die Figuren gerade 300 Seiten lang das alles durchstehen, damit D A S dabei rauskommt, verdammte Axt?“. Nein, ich bin kein Fan von sowas. Nein, ich finde sowas äußerst unbefriedigend und nein, ich will keine Bücher mehr mit sowas lesen. Ich fiebere doch nicht Seite um Seite mit den Figuren mit, damit es dann mit sowas endet! Mir erschließt sich zwar nun auch der Untertitel, aber nein nein nein!!! Theresa, sei mir nicht böse, denn ich habe dich wirklich lieb, aber nein!

Ich muss allerdings selbst mal eben intervenieren, denn so schlimm, wie es vielleicht klingt, ist das Buch bei weitem nicht- ganz im Gegenteil! Bis auf das Ende habe ich es sehr gern gelesen, habe die Ausflüge in die Tiefenwelt genoßen, spürte die Beklemmung der Nordstadt und spornte die Rebellen an alles zu geben, um das Regime zu zerschlagen. Ich konnte mich eben nur nicht zu 100% hineinfühlen, denn während die Beschreibung der Umgebung tadellos ist, fehlen mir einfach ein wenig die Emotionen und das Gefühl für den richtigen Spannungsbogen. That’s it! Und das Cover finde ich mit dem starken farblichen Kontrast einfach perfekt zur Story! Das Buch würde von mir sehr gute vier Sterne bekommen, aber zum Glück bewerte ich ja nicht nach Sternen, sondern schreibe meine Meinung frei heraus, aber als Orientierung sollte ich es dieses mal wohl doch besser erwähnen.


Ja, der Drachenmond-Verlag ist für seine Fantasy-Bücher bekannt, doch auch diese Dystopie hat mehr Beachtung verdient, als sie meines Erachtens bekommt. Also legt euch mal ein wenig mehr ins Zeug, damit Theresa weiterschreibt!

Signatur 2

8 Kommentare zu “T. F. Sperling: Tiefenwelt- Zwei Leben

  1. Huhu Püppi,

    ich finde du hast da eine schöne, ehrliche Rezension verfasst. Man merkt dir an, dass es dich selbst ärgert, das du dich so schwer getan hast. Aber da ich ja in letzter Zeit auch den ein oder anderen Fehlgriff bei Büchern hatte, kann ich das sehr gut nachvollziehen. Du führst wie ich finde gute Beispiele an, sodass ich deine Meinung nachvollziehen kann 🙂

    liebe Grüße Jenny ❤

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