WestStadtStory – Poetry Slam in Essen- die Karnevalsausgabe 2017

Poetry Slam. So gut wie jedem Mitbürger ist dies mittlerweile irgendwie ein Begriff und natürlich wusste auch ich, worum es geht. Theoretisch. Denn ich hatte am 25.02. in Essen mein erstes Mal. Mit 26 Jahren. Zum ersten Mal Poetry Slam. Und entgegen dieser Regel, dass das erste Mal nie gut sein kann, hatte ich einen der coolsten Abende, seit ich ins ferne Nordrhein-Westfalen gezogen bin. Und hier und heute nutze ich die Möglichkeit, um euch an meinen Erfahrungen teilhaben zu lassen, also bitte Platz nehmen und lasset Ruhe einkehren.


18:00 Uhr begann der Einlass für die Karnevalsausgabe der WestStadtStory in der Weststadthalle Essen. Pünktlich fanden mein Freund und ich uns in der Halle ein und warteten ab, was da auf uns zukommen möge. 19:00 Uhr sollte es losgehen, überpünktlich 19:08 Uhr erschienen die Moderatoren auf der Bildfläche. Eine knallrote Erdbeere wackelte breit grinsend in Begleitung eines BROkkolis (ja, dieser Witz wurde an dem Abend gemacht und ich versuche gerade ihn in Textform so rüberzubringen) die paar Stufen hoch zur Bühne und begrüßten das Publikum. Flacksend stellten sie sich vor und erklärten, dass es in der Geschichte der WestStadtStory zum ersten Mal vorkam, dass der Slam auf ein Karnevalswochenende fiel. Hätte ich geahnt, dass ich einem solch historischen Ereignis beiwohne, hätte ich mich ja dementsprechend angezogen, doch ich wollte weder den Künstlern noch Erdbeere, Brokkoli oder dem Fotowikinger- Schotten die Show stehlen.

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Die Crew: Darth Zahl, Pooh- Bär, Erdbeere & Brokkoli und der Fotowikinger- Schotte (Quelle: WestStadtStory)

Und dann wurden die Regeln erklärt, die auch jeder auf einer Postkarte auf seinem Stuhl finden konnte.

  1. Jeder Künstler hat maximal sechs Minuten Zeit pro Runde.
  2. Die vorgetragenen Texte müssen selbstverfasst sein, wobei Zitate erlaubt sind.
  3. Requisiten sind nicht erlaubt; Zettel, Notizbücher ect., die als Vortragshilfe genutzt werden, sind keine Requisiten.
  4. Alle Formen des Textes sind erlaubt, der Vortrag darf aber nicht im Schwerpunkt des Textes aus Gesang bestehen. Ausdrücklich wurde allerdings erwähnt, dass HipHop nicht zum Gesang zählt.
  5. Pferderennen ist Pflicht.

Ja, die ersten vier Punkte sollten für jeden klar verständlich sein, doch was das Pferderennen anging, schauten mein Freund und ich uns nur verwirrt an. Doch die Auflösung ließ nicht lange auf sich warten, denn Lehrmeister Brokkoli erbarmte sich uns armen Unwissenden zu zeigen, was gemeint war:

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Beim Pferderennen über ein Hindernis: so sieht das dann aus. (Quelle: WestStadtStory)

Und zwar schlägt man sich selbst mit beiden Händen ganz schnell auf die Oberschenkel, um so das Geräusch von galoppierenden  Pferden zu imitieren. Auf Befehl des Brokkolis hüpfe dann das komplette Publikum über Hindernisse, nahm Rechts- und Linkskurven, lief an Metal-Festivals vorbei oder begab sich ins Blitzlichtgewitter. Und glaubt mir, das in Textform zu beschreiben, ist nicht halb so lustig, wie dabei gewesen zu sein!

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Das Publikum bei der Amstimmung (Quelle: WestStadtStory)

Dann betrat die erste Künstlerin die Bühne. Theresa Sperling eröffnete den Abend mit ihrem Text Sezierung und brachte das Publikum zum Grübeln. Stef, der einen tiefsinnigen Text über soziale Ängste präsentierte, konnte sich allerdings leider nicht gegen seine Kontrahentin durchsetzen und so schaffte es Theresa ins Halbfinale des Abends. Insgesamt traten acht Slammer an diesem Abend pärchenweise gegeneinander an und nach jedem Paar durfte das Publikum seinen Favoriten durch Kartenzeichen in die nächste Runde wählen. So setzte sich Der K.O. gegen Yannick durch, Frau Lore schubste Veronika aus dem Rennen und Marsha konnte sich gegen Aron behaupten.

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von links nach rechts: Aron, Veronika, Yannick & Stef (Quelle: WestStadtStory)

Auch im Halbfinale blieb das Glück Theresa und Ludwigs Blumen hold und so schaffte es  Der K.O. nach seiner Unternehmensvorstellung nicht ins Finale. Schnell stand dann auch die zweite Finalistin fest: Marsha traf mit Sport ist Suizid einfach den Nerv des Publikums, weshalb Frau Lore mit ihrem Saunabesuch- Penisspiel leider das Nachsehen hatte.

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Der K.O. & Frau Lore im Halbfinale (Quelle: WestStadtStory)

Vor romantischem Sternenhimmel trugen dann die Finalistinnen die letzten Texte des Abends vor. Theresa ging mit Zwei Brüder an den Start und punktete erneut mit einem Beitrag, der zum Nachdenken anregte. Marsha hingegen schickte eine herzergreifende Liebeserklärung an ihre Kommilitonin Julia ins Rennen und auch hier traf sie ins Schwarze: Es gab während dieses Vortragens ausschließlich nickende oder lachende Menschen um mich herum. Jeder, einfach jeder, kennt eine Julia!

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Theresa & Marsha im Finale (Quelle: WestStadtStory)

Und damit stand die Siegerin des Abends auch schon fest: Lachen schlug Grübeln und Marsha entschied diese WestStadtStory– Ausgabe für sich! Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle nochmal an beide Finalistinnen und natürlich von ganzem Herzen an die Siegerin!

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(Fast) Alle Künstler des Abends und die glücklichere Siegerin Marsha (Quelle: WestStadtStory)


Und das war es. Das war meine erste Poetry Slam- Erfahrung und ich bereue nichts. Ich bereue es nicht so laut gelacht zu haben, dass mein Freund mich anmaulte ich solle doch leiser sein. Ich bereue es nicht den Brokkoli nach der Pause einen Angeber genannt zu haben, weil er davon berichtete, wie viele Menschen versucht hatten ihn in der Pause anzufassen und ich bereue es nicht, dass ich meinen armen Freund nach einem harten Arbeitstag noch dorthin geschleppt habe. Denn er fand es auch gut und alle, die ich heimlich belauscht habe, fanden es genauso gut. Ich schwöre an dieser Stelle somit feierlich, dass es nicht meine erste und letzte Slam- Erfahrung bleiben wird- nicht zuletzt, weil ich wissen muss, wie Brokkoli und Erdbeere ohne Kostüme aussehen, nachdem die Erdbeere so viele Witze über seine Figur gemacht hat.

Und wenn ihr noch daran zweifelt, ob Poetry Slam wirklich einen Besuch wert ist- die Antwort lautet: J A ! Tut es! Geht hin und lasst euch zum Nachdenken bringen und lacht bis euch die Tränen kommen und feiert die Künstler für den Mut sich auf diese Bühne zu stellen und ihre eigenen Texte dort vorzutragen. Sie werden euch mit absoluter Sicherheit für diese Wertschätzung genauso danken, wie ihr euch bei ihnen für einen mega Abend bedanken werdet! Hat euch das immer noch nicht überzeugt? Dann stattet dem Youtube- Kanal der WestStadtStory doch einen Besuch ab, wenn ihr mir nicht glauben möchtet…

Alle anderen, die Kultur dann aber doch fernab vom Fernseh und PC  genießen wollen, können sich am 11.03. zur letzten Vorrunde in der Weststadthalle in Essen einfinden und sich selbst ein Bild machen oder schauen sich, so wie ich, am 08.04. das Finale der sechsten Saison an und finden dann den Sieger aus den Besten der Besten.

Außerdem möchte ich mich an dieser Stelle ganz lieb beim Fotowikinger- Schotten Tobi für die Bereitstellung der Bilder bedanken.  Leider wollte er uns doch tatsächlich weder verraten noch zeigen, ob er unter seinem Kilt denn Unterwäsche trug oder nicht… #untermschottenrock Zusätzlich zu dieser doch heiklen, aber wichtigen Frage brachte er nach der Pause mit seinem Jura- Quiz die Köpfe des Publikums zum Rauchen!


Poetry Slam. Das regt zum Nachdenken an, ist kritisch und lustig. Das verspricht bereits im Vorfeld ein unterhaltsamener Abend zu werden und nach meinem Besuch bei der Karnevalsausgabe hat die WestStadtStory in Essen definitiv mindestens einen Fan mehr.

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