Paula Hawkins: Girl on the train- Du kennst sie nicht, aber sie kennt dich

Einen guten Thriller habe ich noch nie von der Bettkante stoßen können. Zwischen den ganzen Fantasy- und Herzschmerzbüchern ist der ein oder andere kaltblütige Mord, geschmückt mit ein paar Herzschlag aussetzenden Plot-Twists, eine erfrischende Abwechslung. Ich liebe diesen kalten Schauer, der einem dann über den Rücken läuft und dieses Gefühl das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen zu können. Auch Rachel, die Protagonistin aus Paula Hawkins‘ Girl on the Train, ließ mich immer mal wieder erschaudern…


Klappentext:

girl-on-the-train-paula-hawkinsJeden Morgen pendelt Rachel mit dem Zug in die Stadt, und jeden Morgen hält der Zug an der gleichen Stelle auf der Strecke an. Rachel blickt in die Gärten der umliegenden Häuser, beobachtet ihre Bewohner. Oft sieht sie ein junges Paar: Jess und Jason nennt Rachel die beiden. Sie führen – wie es scheint – ein perfektes Leben. Ein Leben, wie Rachel es sich wünscht.

Eines Tages beobachtet sie etwas Schockierendes. Kurz darauf liest sie in der Zeitung vom Verschwinden einer Frau – daneben ein Foto von »Jess«. Rachel meldet ihre Beobachtung der Polizei und verstrickt sich damit unentrinnbar in die folgenden Ereignisse …

Details:

Blanvalet Verlag * 448 Seiten * Taschenbuch * 9,99 €


Ich hasse es, etwas Schlechtes über Geschenke zu sagen. Girl on the Train- Du kennst sie nicht, aber sie kennt dich von Paula Hawkins hat mein Freund mir von einer Geschäftsreise mitgebracht, als ich krank war. Er wollte mir eine Freude machen, weil ich von meinem letzten Thriller so geschwärmt habe, doch leider ist dieses Buch der sprichwörtliche Griff ins Klo gewesen.

Rachels Leben liegt in Scherben. Von ihrer großen Liebe Tom ist sie geschieden, ihren Job hat sie verloren und seit der Scheidung lebt sie bei einer Freundin in einem kleinen Zimmer als Untermieterin. Und sie liebt den Alkohol. Täglich sitzt sie im Zug und spielt ihrer Mitbewohnerin vor, sie würde zur Arbeit fahren, sinniert, trinkt, bemitleidet sich selbst. Außerdem ist da dieses Pärchen, das sie aus dem Zug beobachten kann… Jess und Jason, wie Rachel sie nennt, führen in ihrer Fantasie das perfekte Leben; das Leben, das Rachel mittlerweile verloren hat. Doch eines Tages beobachtet sie aus dem Zug etwas, was auf der schöne Fassade, die sie um die beiden Fremden aufgebaut hat, tiefe Risse zurücklässt. Und kurz darauf ist die junge Frau, die sie Jess nennt, verschwunden…

Girl on the TrainDu kennst sie nicht aber sie kennt dich von Paula HawkinsWarum dieses Buch ein Bestseller geworden ist, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Die Protagonistin und auch die Nebencharaktere sind durchweg unsympathisch, der Schreibstil plump und die Handlung nicht nervenaufreibend spannend, sondern schlichtweg langatmig. Nach 300 Seiten fragt man sich immer noch, wann es denn endlich losgehen mag. Hawkins versucht zwanghaft Nervenkitzel aufzubauen und wenn man endlich das Gefühl hat, dass die Story nun doch nach vorn kommt, würgt sie es wieder ab und lässt den Leser in seiner Unzufriedenheit zurück. Ich zumindest war sehr unzufrieden und schlussendlich auch so genervt, dass selbst die letzten Seiten, die tatsächlich den ein oder anderen spannenden Moment haben, das Ganze nicht mehr retten konnten.

Etwas, was mich vollkommen ratlos und irritiert zurückließ, ist übrigens der Untertitel. Natürlich kennt man die Menschen nicht, die einen aus dem fahrenden Zug beobachten. Es sind gesichtslose Unbekannte, die an einem vorbeirauschen, also wieso sollten sie mich kennen? Kennt Rachel Jess, weil sie sich ein Leben für sie ausdenkt? Oder weil sie in ihrer Fantasie Dinge erfindet, in denen zufällig Jess die Hauptrolle spielt? Dieser Nachsatz entbehrt jeder Logik und ist ein Paradebeispiel für die hohlen Phrasen, die die Autorin im Buch selbst auch verwendet, um zwanghaft für Schocker zu sorgen.

Auch die Perspektivwechsel zwischen Rachel, Jess, die eigentlich Megan heißt, und Anna, der neuen Ehefrau von Rachels Exmann Tom, bringen keinerlei Aufschluss über die Handlungen und erschein im Verlauf des Buches einfach vollkommen unwichtig. Ich habe das dumpfe Gefühl, dass dieser Wechsel zwischen den Figuren gerade total modern ist und man das mit Macht noch unterbringen musste. Hinzukommt der furchtbare Schreibstil- et violà!, fertig ist der 08/15- Bestseller ohne Qualität. Manchmal frage ich mich wirklich, worauf diese Bestsellerlisten beruhen, denn dieses Buch hat meiner Meinung nach auf keiner davon etwas zu suchen!

Letztendlich bleibt anscheinend das selbe schale Gefühl beim Leser zurück, das Rachel wohl auch nach ihren zahlreichen Alkoholexzessen empfindet. Wenigstens das nimmt man aus diesem Buch mit…


Habt ihr das Buch gelesen und mochtet ihr es? Ich freue mich darauf eure Meinungen zu hören!

Signatur 2

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12 Kommentare zu “Paula Hawkins: Girl on the train- Du kennst sie nicht, aber sie kennt dich

  1. Wie unterschiedlich die Meinungen sein können. 😉 Mir hat das Buch gefallen, ich fand es nur etwas lang. In der Mitte hätten gut 100 Seiten weniger sein können, da war es etwas langatmig. Ich finde die Idee klasse, man fährt ja oft im Berufsvekehr mit den gleichen Leuten und irgendwie kennt man sie, obwohl es eigentlich Fremde sind.

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    • Es gibt ja auch sehr viele positive Rezensionen zu dem Buch, also es wird schon seine Daseinsberechtigung haben. 🙂
      Ja, für viele wird das Alltag sein, aber ich fand es doch sehr an den Haaren herbeigezogen, aber Geschmäcker sind ja verschieden und das ist auch gut so!
      Liebst, Rika

      Gefällt 1 Person

    • Hey Stephie,
      freut mich, dass ich dich da beruhigen konnte. 😉
      Ich hab mir mal einen groben Überblick deines Blogs verschafft und bin absolut begeistert! Er ist wundervoll! ❤
      Liebst, Rika

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  2. Danke Dir für die Auseinandersetzung mit dem Girl on the Train uuuund vor allem, das zu Ende lesen. Was einem (mir) bislang nicht gelang… wenn mich eine Geschichte oder die Art des Erzählens nicht ein klein wenig abholt…

    Freu mich drauf gelegentlich in Deinen Tips und Kritiken zurück zu blättern.

    Schöne BlogIdee…

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    • Hey,
      es war wirklich nicht leicht bei dem Buch durchzuhalten, aber ich bin fast ein klein wenig stolz, dass ich es tatsächlich geschafft habe! 😀
      Vielleicht findest Du ja aber in Zukunft den ein oder anderen Tipp für bessere Bücher!
      Liebst, Rika

      Gefällt 1 Person

    • Hallo Mona,
      dann wärst du mit diesem Buch tatsächlich total falsch beraten. Falls du aber mal einen guten Thriller lesen möchtest, würde ich dir Sebastian Fitzek empfehlen können. „Das Paket“ fand ich überragend!
      Liebst, Rika

      Gefällt 1 Person

  3. Oarrr, ich dachte schon ich bin alleine mit dieser Meinung! 😀

    Ich verstehe beim besten Willen den Hype nicht! Ich finde die Geschichte unfassbar konstruiert und lieblos zusammengeschustert. Dass man das Ende nicht vorhersehen kann, liegt in erster Linie daran, dass es komplett an den Haaren herbeigezogen ist.

    Unter einem Thriller verstehe ich was anderes, das hier ist eher eine verkappte Lovestory, die an einem Haufen Klischees zugrunde geht.

    So. Mini-Wutausbruch zum Mittag beendet. 😀

    Liebe Grüße! Nora

    Gefällt 1 Person

    • Hey Nora,
      Ich musste bei deinem Kommentar so grinsen! 😄
      Ganz meine Meinung und dieses Ende… abstruser wäre es nur noch geworden, wenn das Baby schuld gewesen wäre!
      Hab ein schönes Wochenende!
      Liebst, Rika

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