[Herzensangelegenheit] Tu dir einen Gefallen und gefalle dir selbst

Es ist 06:40, mein Wecker klingelt. Müde schleppe ich mich aus dem Bett, ziehe mir meine Jogginghose an und halte inne. Mein Blick wandert im Spiegel an mir herab; kritisch mustere ich den Menschen, den ich dort sehe. Meine Taille ist schlank und ich denke auch, dass ich gut proportioniert bin. Doch am Bauch wabbelt es. Ich kneife mit meinen Fingern zu und frage mich, ob die Hautfalte, die ich dann in den Händen halte nicht lieber wegtrainiert werden sollte. Sieht ja furchtbar aus. Ich seufze und lasse los. Mein Blick wandert höher. So viel zum Thema gut proportioniert: Meine Brüste sind viel zu klein. Praller, größer, fester- so passen sie doch gar nicht zu mir. Ich lege meine Hände über sie; betaste, fühle, wiege ab und lasse sie wieder los. Unzufriedenheit macht sich breit und ich frage mich, was man tun kann, damit sich auch dieses Körperteil besser ins Gesamtbild einfügt, doch mir fällt keine Lösung ein. Zumindest nicht nackt. Ich verschiebe das Problem auf später und lasse in theatralischer Verzweiflung, die nur für mich bestimmt ist, meine Arme an die Seite fallen.- und wiederhole die Bewegung erschrocken. Zum Teufel, was ist das denn? Oberarmmuckis sind etwas, was mir bereits seit 24, fast 25 Jahren fehlt, was ich nie schmerzlich vermisst habe, aber wie komme ich denn bitte zu solchen Winkeärmchen? Noch ein wenig mehr davon und ich könnte mich zu den Fledermäusen, die jeden Abend vor meinem Schlafzimmerfenster kreisen, kopfüber von irgendeinem Balken hängen. Na klasse. Tolle Aussichten. Frustriert wende ich den Blick ab, der zwei Sekunden später, als ich schon auf dem Weg ins Bad war, an der nächsten, meiner Lieblingsproblemzone hängen bleibt: meinen flachen, praktisch nicht vorhandenen Arsch. Kurz schweifen die Gedanken zu diesem tollen Mann, mit dem knackigen Hintern, den ich liebevoll meinen Freund schimpfe und Neid flammt in mir auf. „Schluss damit!“, denke ich mir und stapfe nun tatsächlich ins Bad.

Zähne putzen. Gesicht waschen. Make up auftragen. Ich denke an das hübsche Model mit dem ebenmäßigen Teint aus der Werbung für die Foundation, die ich mir gerade in breiten Streifen ins Gesicht schmiere und dann verteile. Böse funkle ich meine Sommersproßen an, denn sie allein sind schuld daran, dass ich niemals so ein makelloses Erscheinungsbild haben werden. Außerdem lassen sie einen ständig jünger, manchmal sogar kindlich wirken. Wer sich die ausgedacht hat, gehört bestraft. Und plötzlich muss ich lachen.

Wie viele Mädchen stehen wohl gerade mit ebenso kritischen, lächerlichen Gedanken vor ihren Spiegeln und mäkeln unaufhörlich an sich selbst herum? Finden Fehler, analysieren Problemzonen und schmieden Schlachtpläne, um ihrem unsagbar unperfekten Äußeren endlich den letzten Schliff zu verleihen. Lasst euch eins gesagt sein:

Lasst es. Es gibt im Leben einfach Dinge, die man nicht ändern kann. Vor allem, wenn man sie an sich selbst feststellt, können sie ungemein nerven, aber statt ständig eure eigenen (vermeintlichen) Fehler hervorzuheben, solltet ihr euch auf das konzentrieren, was ihr an euch mögt. Vielleicht schließt ihr auch Frieden damit. Was in euren Augen ein Makel ist, kann für andere etwas ganz Liebenswürdiges sein. Ändert euren Blickwinkel, betrachtet das Ganze von einer anderen Seite- oder einfach gar nicht, getreu dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn!“. Wenn ihr euch nur auf eure Fehler konzentriert, habt ihr doch gar keine Zeit mehr das Gute an euch hervorzuheben, also lasst es bleiben.

Du bist gut so wie du bist. Du reichst aus, du bist genügend. Versprochen. Vielleicht nicht für jeden und nicht für alle, aber du musst doch auch nicht jedem in den Kram passen. Manchmal wird es schwer sein, aber sich selbst zu lieben und seine Fehler zu akzeptieren wird eine der schönsten, befreiensten Erfahrungen sein, die du machen wirst. Es ebnet dir den Weg für so viele Dinge und es wird leichter. Auch das verspreche ich dir.

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5 Kommentare zu “[Herzensangelegenheit] Tu dir einen Gefallen und gefalle dir selbst

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