[Herzensangelegenheit] Zwischen den Stühlen – Eine Mittzwanzigerin in der Krise

Ich frage mich langsam wie es mit mir weitergehen soll. Es sind kaum mehr als drei Monate bis zu meinem 25. Geburtstag und ich grüble mich halb tot.

Fast 25 Jahre alt. Das ist fast ein viertel Jahrhundert. Und ich fühle mich absolut nicht danach. Ich fühle mich wie 21: Das Leben noch vor sich, alle Türen stehen mir offen.

Im Kaufland kann ich keinen Wein holen, ohne dass man mich nach dem Ausweis fragt und Anti- Aging- Cremes habe ich auch noch nicht im Schrank. Letzteres wurde neulich im Gespräch mit einer Bekannter erst mit einem schockierten Augenaufreißen und danach mit einem hämischen Grinsen gezuckert mit „Naja, die Folgen wirst du schon noch früh genug sehen!“ quittiert. Na danke! „Nur sehe ich selbst dann immer noch besser aus, als du in deinen besten Tagen, du blöde Kuh!“, dachte ich mir und streckte ihr innerlich die Zunge raus. Sehr erwachsen, ich weiß. Aber darum geht es eben. Ich fühle mich oft genug einfach wirkich so absolut gar nicht erwachsen.

Ich kann mir auch nicht vorstellen Mutter zu werden. Mal abgesehen davon, dass ich gerade nicht nur in einer Fernbeziehung, sondern auch noch in der Ausbildung stecke, fühle ich mich so unglaublich unvorbereitet und unreif für diesen Schritt, dass ich frühstens mit Mitte 60 damit rechne mal darüber nachzudenken das Verhüten aufzugeben. Mal schauen wie weit die Medizin bis dahin ist und vielleicht ist bis dahin dann auch Mitte 60 dann das neue Mitte 20. Wer weiß, wer weiß…

Nein, mal im Ernst. Meine Eltern feiern diesen Monat ihre Silberhochzeit und die beiden sind mit 45 bzw. 46 Jahren nun wirklich nicht alt! Und das bringt mich zum Nachdenken, denn in meinem Alter standen sie mit beiden Beinen fest im Leben. Sie hatten zwei Kinder, jeder hatte seine Ausbildung längst hinter sich und sie waren seit fast vier Jahren verheiratet. Ich finde das erstaunlich, beneidenswert und… naja, irgendwie auch erschreckend, denn dann frage ich mich, was ich bisher erreicht habe.

Abitur – hm, hat heutzutage eh fast jeder.

Abgebrochenes Studium – naja, könnte irgendwann zum guten Ton gehören.

Eine noch nicht abgeschlossene Ausbildung – bravo! Aber immerhin auf der Zielgraden.

Und während ich mich für so vieles viel zu jung fühle, bin ich für andere Dinge einfach schon viel zu alt.

Immer wieder beäuge ich ungläubig Facebook- Fotos, die meine damaligen Kommilitonen online stellen und frage mich, wie die überhaupt in der Lage sind am nächsten Tag noch aufzustehen. Bei mir geht meist brav um elf das Licht aus, damit ich mich am nächsten Morgen dann trotzdem völlig zerstört und übermüdet aus dem Bett quäle, um pünktlich um acht an meinem Schreibtisch im Büro zu sitzen. Der Gedanke an Wodka, Tequila und Absinth allein reicht, um mir Kopfschmerzen zu bereiten und wenn ich an den dröhnenden Bass im Club denke, fange ich nicht an mit dem Fuß zu wackeln, sondern überlege, wo ich den Stecker ziehen kann.

Ja, in der Hinsicht bin ich alt. Ich ziehe einen gemütlichen Couchabend einer durchzechten Nacht liebend gern vor und ich fühle mich dabei A B S O L U T nicht schlecht. Ich habe nicht das Gefühl irgendwas zu verpassen oder mich mit Sangriaeimern in irgendwelchen sozialen Netzwerken profilieren zu müssen (dafür habe ich ja meinen Blog, hihi!). Und selbst wenn, wäre bei mir da wohl nur Traubensaft drin, was ich dann aber natürlich keinem verraten würde.

Zwar weiß ich längst noch nicht, was mich in der Zukunft erwartet, aber heißt es nicht immer, dass Erwartungen eh alles kaputt machen. Da bleibe ich lieber beim Hoffen und beim Draufhinarbeiten, auch wenn mein Weg nicht schnurgerade verläuft. Ich rede mir einfach ein, dass ich noch ewig Zeit habe und solange die Dinge, die ich jetzt schon als wichtig und unabkömmlich betrachte Bestand haben, ist doch alles im Lot- vollkommen egal, ob ich jedes Wochenende Komasaufen betreibe oder in meiner Schlumpihose die Couch wärme.

Denn eigentlich bin ich auch ganz glücklich mit meinem Zwiespalt. Und ich weiß ganz genau, dass ich damit nicht alleine bin und dass es sich irgendwann ändern wird. Es kann ja nicht immer so bleiben wie es ist- zum Glück!

Eure jung- greise

Riklinde - Kopie

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2 Kommentare zu “[Herzensangelegenheit] Zwischen den Stühlen – Eine Mittzwanzigerin in der Krise

  1. Hallo meine Liebe, ähnliche Gedanken hatte ich in deinem alter auch. Und ich verrate dir was, daran wird sich nicht viel ändern. Jedes Alter hat seine guten und schlechten Zeiten. Mach dir darüber keine bzw. nicht so viele Gedanken, es passiert wie es eben kommt. LG britti

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    • Da hast du wohl recht, liebste Britti! Vielen Dank für deine lieben Worte. Es kommen bestimmt auch wieder bessere Zeiten, aber so kurz vor der Silberhochzeit stimmt einen das schon recht nachdenklich.
      Liebste Grüße, Riklinde 🙂

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