[Herzensangelegenheit] Ein Appell an die Unvernunft

Neulich habe ich über Pläne geschrieben. Dass ich gern plane, ich ein Ziel brauche, aber auch spontan bin. Außerdem bin ich unglaublich emotional, widme mich den mir wichtigen Dingen mit Herzblut und vertraue in meine (weibliche?) Intuition. Die hat mich schon manches mal im Stich gelassen und trotzdem zucke ich nur gelassen mit den Schultern, wenn mich darauf jemand hinweist. Aus irgendeinem Grund habe ich so viel Vertrauen in mich selbst, dass ich denke, dass egal wie tief ich falle, ich schon auf den Füßen landen werde.

Vor kurzem erst hatte ich eine hitzige Diskussion zum Thema Sicherheit und Absicherung. Ich kenne mich mit dem Thema aus, schließlich ist es mein Beruf: Absicherung und Versicherungen. Dies gilt natürlich vor allem für den finanziellen Aspekt. Ich verkaufe also Verträge, die möglichst viele Eventualitäten absichern, die eine Person treffen können und schützen vor den finanziellen Folgen bzw. mildern diese dann ab. Das ist auch richtig und wichtig  und ich mag meinen Job wirklich gern. Bei jedem Schaden, der einem meiner Kunden widerfährt, bin ich stolz, wenn ich sie gut beraten habe und sie nicht auf den Kosten sitzen bleiben.

Trotzdem weiß ich, dass man sich im Leben nicht gegen alles absichern kann.

Es gibt keine Versicherung für „Ich bleibe für immer in meinem Job!“ oder für „Mein jetziger Wohnort passt auf der ganzen Welt am allerbesten zu mir!“ oder für „Dieses Kleidungsstück wird mir immer gefallen!“ oder „Ich bleibe mit meinem Partner immer zusammen!“ Das sind Dinge, die kann man nicht absichern und niemand kann einem versprechen, dass der Idealzustand jemals erreicht, geschweige denn erhalten werden kann. Es gibt keinen finanziellen Ausgleich, wenn eure Kinder nicht so klug werden, wie ihr es euch wünscht und ihr bekommt euer Geld nicht nach Jahren zurück, wenn euch plötzlich auffällt, dass die geliebte Hose eigentlich unglaublich hässlich ist. Außerdem, mal ganz ehrlich: Wenn ich die große Liebe meines Lebens verlieren sollte, habe ich definitiv ganz andere Sorgen, als darauf zu achten, dass mein Kontostand da heil rauskommt. Und deshalb sage ich:

Geht hinaus in die Welt und riskiert etwas!

Zieht in vollkommen neue Städte oder sogar Länder! Heiratet ohne Ehevertrag! Sucht euch neue Jobs, wenn der jetzige euch nicht glücklich macht! „Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht!“, hat meine Uroma immer zu mir gesagt, aber wer sich nur in seiner Komfortzone bewegt und sich immer nur fragt, was schief gehen könnte und wie es dann weitergehen sollte, der erlebt nichts.

Sicherheit ist nicht alles im Leben und keine gute Story beginnt mit „Es war einmal ein Mädchen, das bevor sie etwas tat, sich in jeder Hinsicht absichern musste.“! Abenteuer fallen einem nicht vor die Füße, während man gemütlich zu Hause sitzt und nichts tut, außer vielleicht ein Buch zu lesen und in seiner Fanatsie, die Abenteuer von anderen zu durchleben.

Eines Tages sitzt ihr dann da, habt eure Enkelkinder auf dem Schoß und erzählt ihnen von eurem Leben. Eure spannendste Geschichte kann doch dann nicht die sein, als ihr euch für Riesterrende A und nicht Z entschieden habt! Oder wollt ihr dann nur Geschichten nachplappern, die andere erlebt haben?

Ja, ihr werdet wahrscheinlich das ein oder andere mal scheitern, wenn ihr etwas riskiert. Vielleicht fliegt ihr dermaßen auf die Fresse, dass ihr nicht mehr wisst, wo oben und unten ist. Vielleicht suhlt ihr euch dann in dem Elend eurer Niederlage, aber mein Gott!- danach steht ihr wieder auf, klopft euch den Staub ab  und versucht es nochmal. Oder ihr probiert etwas anderes.

Habt keine so große Angst vor dem Fallen, dass ihr euch gar nicht erst traut zu fliegen. Es gibt so viele Dinge auf der Welt gegen die ihr euch nicht absichern könnt; so viele Wenns und Falls und Eventuells, doch die dürfen euch nicht in die Knie zwingen, denn wir haben hunderte Möglichkeiten zu erreichen, was wir wollen und wir haben tausende Möglichkeiten zu scheiern. Aber niemand scheitert so schön wie wir.

Eure

Signatur1

2 Kommentare zu “[Herzensangelegenheit] Ein Appell an die Unvernunft

  1. schön geschrieben – Sicherheit ist schön und gut, aber eben auch sehr unsicher – auch wenn das komisch klingt, aber wie du schreibst, Sicherheit ist oft trügerisch. Und ja, wer nicht wagt, der nicht gewinnt, wer will schon immer ängstlich zu Hause sitzen, da geh ich lieber raus und entdecke die Welt und erlebe auch etwas. Rückschläge kommen natürlich, aber die kommen im Leben immer, diese positive Grundeinstellung und Offenheit dem Neuen gegenüber finde ich wichtig, nichts ist schlimmer als verstockte, verbohrte Leute, die eigentlich nur Angst vor Neuem haben. Bewahre dir das, denn das ist was, das man dir, trotz aller Niederlagen und Rückschläge, die das Leben verteilt, nie nehmen kann, die Positivität und die Erfahrungen

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