[Blogparade] Ab morgen darfst du noch einmal leben

Durch Zufall stieß ich auf den Blog Living Memory by menschenwerk und die dort ins Leben gerufene Blogparade „Ab morgen darfst du noch einmal leben“. Lange habe ich darüber nachgedacht, ob ich dazu einen Beitrag schreiben möchte und habe mich nun dafür entschieden, denn Rumspinnerei ist genau mein Ding.

Ab morgen darfst du noch einmal leben

Im Laufe unseres Lebens treffen wir Menschen Entscheidungen. Gute und schlechte, manche fatal und manche führen uns nicht nur über Umwege ins Glück. Oder an den Rand einer tiefen Schlucht.

Ich wurde am 30.11.1990 in Blankenburg im Harz geboren und ich hatte eine tolle Kindheit. Zusammen mit meinem jüngeren Bruder, meinen Eltern, meiner Oma und sogar meiner Uroma bin ich in einem großen Haus aufgewachsen. Ich gehöre der Generation „Ich spiele draußen, komme mit Schürfwunden heim und kann auf Bäume klettern, um Kirschen zu essen“ an und ich war durch und durch ein Dorfkind, obwohl meine Heimatstadt eigentlich kein Dorf ist. Ich habe mich mit meinen Eltern gezankt, habe meinen Puppen die Haare abgeschnitten, um dann zu weinen, weil sie so furchtbar aussahen und meine beste Freundin war meine Schäferhündin Dina. Ich habe von meiner im Jahre 1911 geborenen Uroma Geschichten erzählt bekommen, habe mit ihr sonntags in der Stube gesessen und Lieder gesungen und ich habe in der Grundschule festgestellt, dass ich wohl die einzige Oma habe, die nicht richtig kochen konnte. Ich bin gleichzeitig frei und geborgen aufgewachsen. Mein Leben war perfekt, denn meine einzige Sorge war, ob ich mir das richtige PlayMobil- Set zum Geburtstag oder zu Weihnachten gewünscht habe.

Die wichtigen Entscheidungen kamen natürlich erst viel später.

Ich bin ein recht impulsiver Mensch und treffe Entscheidungen oft aus dem Bauch heraus. Manche Dinge lassen sich einfach nicht planen und der Ausgang wäre von so vielen Faktoren abhängig, dass er sich kaum vorhersagen ließe. Wenn ich mit dem Wissen, was ich jetzt habe, noch einmal leben dürfte, wäre ich nicht so. Ich denke, ich wäre nicht mehr ich. Viel vorsichtiger, überlegter, vielleicht auch geduldiger oder sogar ängstlich. Mit dem Wissen, dass diese eine Entscheidung diese oder jene Folge hatte, würde ich drei mal hin- und herüberlegen, welches Resultat dann eine andere hätte. Oder hätte sie überhaupt eine andere? Vielleicht tritt das Ereignis ja dennoch ein, weil es so sein soll, aber eben nur später? Und in wie weit würde ich den Verlauf der Ereignisse denn kennen? Eine Entscheidung, die ich getroffen habe, hat den ganzen Verlauf meines Lebens geändert. Wenn ich mich an der Stelle für eine andere Möglichkeit entscheiden würde, wäre ich wieder so unwissend, wie ich es jetzt bin, denn dann würde alles, was ich jetzt weiß ja gar nicht passieren. Oder doch oder nur anders?

Es gab Momente, in denen ich mich geschämt habe Ich zu sein, weil ich dumme Dinge getan habe und weil ich Menschen begegnet bin, die dumme Dinge getan haben. Ich habe auch wahnsinnig dumme Entscheidungen getroffen, die mich wahnsinnig glücklich gemacht haben. Würde ich sie dann anders machen? Vielleicht. Wäre ich damit aber so glücklich wie ich es heute bin? Fraglich.

Zu sagen, dass ich mit jedem meiner Entschlüsse im Reinen bin, wäre eine Lüge und es gibt mehr als einen Menschen, bei dem ich mich entschuldigen sollte. Ich war nie perfekt und mein Leben ist es auch nicht, aber bevor man mir sagt „Ab morgen darfst du noch einmal leben“, möchte ich doch bitte erst dieses Leben zu Ende bringen, denn augenblicklich gefällt es mir sehr gut.

Eure

-Riklinde

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4 Kommentare zu “[Blogparade] Ab morgen darfst du noch einmal leben

  1. Hallo Riklinde!

    Lieben Dank für Deinen Beitrag. Wir haben alle schon einmal eine Entscheidung getroffen, die sich im Nachhinein als „falsch“ herausstellte. Wobei, und das stellst Du ja auch fest, wahr sie es wirklich? Ich denke,wenn jemand so wie Du auf seine Kindheit und sein bisheriges Leben zurückschauen kann und dann zu dem Schluss kommt, glücklich zu sein … Du hast alles richtig gemacht!

    LG, Patrick

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    • Hallo Patrick,
      danke für den aufbauenden Kommentar! Ich bin mit meinen 24 Jahren wahrscheinlich nicht die weiseste Frau und habe auch noch nicht die krasse Lebenserfahrung, aber ab und an mal ein Resumée ziehen und sich selbst hinterfragen, ist wohl nicht das Schlechteste. 🙂
      Deine Blogparade hat mir dabei auf jeden Fall geholfen!
      Liebste Grüße, Riklinde

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      • Erfahrung misst sich nicht zwingend in Lebensjahren. Wichtig ist das selbstkritische Hinterfragen. Wenn man mit sich selbst ehrlich umgeht, schafft man such einen unerschöpflichen Erfahrungsschatz. So etwas tut immer gut!

        Wenn meine Blogparade dazu beigetragen hat, freut es mich umso mehr.

        LG, Patrick

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  2. Pingback: Zwischenbilanz - Ab morgen darfst Du nochmal leben

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