[Herzensangelegenheit] Ein Pferd für Riklinde

Mit meinen nunmehr 24 Jahren blicke ich auf eine lange Zeit von ca. 12 Jahren im Sattel zurück. Ich bin so viele verschiedene Pferde geritten, dass ich mich an einige kaum noch erinnere, andere sind mir sehr wohl im Gedächtnis, doch die wenigsten in meinem Herzen geblieben.

Einer jedoch hat mein Herz so sehr für sich eingenommen, dass ich alles für ihn geben würde. Andalusier, Wallach, knackige 25 Jahre und ein schneeweißes Prinzessinnenpferdchen. Ein waschechter Spanier direkt aus Spanien und eine Seele von Pferd!

Honrado, mein Prinz

Honrado, mein Prinz

Nachdem ich 2006 einen schweren Reitunfall hatte, war es für mich erstmal 1,5 Jahre lang vorbei mit jeglicher Art von Sport, doch die Pferde ließen mich nie los. Meine erste Reitbeteiligung nach dem Unfall machte mir nur noch mehr Angst und so verließ ich diesen Stall nach etwa drei Monaten. Über Bekannte erfuhr ich dann, dass eine Reitbeteiligung gesucht wurde und ich melde mich dort zum Probereiten an. Es war Dezember 2011, eiskalt und wir drehten unsere ersten gemeinsamen Rundenim Dunkeln über den Platz. Obwohl der Start holprig war, fühlte ich mich wohl wie selten zuvor und habe es genoßen, dass ich endlich wieder auf einem Pferd sicher fühlte.

So vergingen die Tage zusammen mit ihm. Wir ritten aus, machten Dressur- und Freiarbeit und gingen zusammen spazieren. Immer wieder lahmte er und ich saß nur bei ihm und sah ihm beim Grasen zu, doch ich dachte mir nichts dabei; die Besitzerin wird schon wissen, was sie tut. Er sollte zu diesem Zeitpunkt 18 Jahre alt sein, doch er wirkte älter. Irgendwie schlapp und lustlos. Trotzdem gewannen wir im Sommer 2012 in einem Dressurreiterwettbewerb des Hofes den ersten Platz und auch meine Eltern sahen sich diesen an.

Vorlaut wie meine Mum nunmal manchmal ist, kam sie sogleich auf den Hof und fragte dann „Na, wo ist die Dame, der ich den Hübschen hier abkaufen kann?“ und die Besitzerin bekam das natürlich mit.

Am nächsten Tag, ich war mit meinen Eltern zu ihnen gefahren, kam ein Anruf mit der Frage, ob die Aussage meiner Mutter ernst gemeint war, ob ich Honrado kaufen möchte und sie, die Besitzerin, es noch niemanden gesagt hat und mich als erste fragt. Gott, ich weiß noch, wie mir tausend und eine Sache durch den Kopf schossen, doch als erstes wollte ich Bedenkzeit.

Doch wie sollte ich als Studentin ohne Einkommen ein eigenes Pferd finanzieren? Andererseits hatte ich ihn gerade erst gefunden und wollte mein Traumpferd nicht verlieren, weil ihn jemand anders übernahm. Es war eine schwere Entscheidung, die es zu treffen galt, doch letztendlich wurde alles irgendwie geregelt und am 02.09.2012 verließ Honrado als mein erstes eigenes Pferd den Hof und zog um. IMG_0049Ein Jahr lang stand er ca. zwei Stunden von mir entfernt, ich besuchte ihn so oft es ging, besorgte mir einen Nebenjob, um ihm alles bieten zu können, was er brauchte und war happy ihn langsam aufblühen zu sehen. Seine Liebensgeister erwachten wieder, doch das hatte nicht nur etwas damit zu tun, dass er endlich mehr Platz hatte und eine kleine Herde, in der er wieder mehr Selbstbewusstsein bekam. Denn als er zwei Tage nach seiner Ankunft untersucht wurde, stellte sich heraus, dass er keine 18 Jahre alt sein könnte, sondern eher Mitte 20, dass er Hufrehe und dadurch auch (die mir beim Kauf schon bekannte) Arthrose hat. Die Eisen kamen ab, die Hufschuhe dran, es wurde gefüttert und gepäppelt, er wurde langsam in die Herde integriert und er wurde liebevoll von allen Seiten umsorgt und mit jedem Tag wurde es ein bisschen besser, mein Pferd glücklicher und ich erleichterter.

Doch die Entfernung haute nicht hin, ich wollte mein Hundeaffenpferd (Hund, weil er mir oft auch ohne Strick folgte wie angeklebt, Affe, weil er Bananen liebt!) in meiner Nähe und so krempelte ich mein Leben um: Ich schmiss mein Studium und begann eine Ausbildung zur Kauffrau für Versicherungen und Finanzen. Endlich hatte ich die Möglichkeit mein Pferd komplett selbstständig zu finanzieren (vorher stand er kostenlos) und konnte ihn zu mir holen. Doch auch damit kamen wir nicht zu Ruhe. Der Stall passte nicht zu 100% und als er im Herbst eine so schwere Kolik bekam, dass er es fast nicht geschafft hätte, wurde noch einmal umgezogen. Ein Jahr standen wir nun in diesem Stall, bis November 2014 und genoßen die Zeit zusammen. Wir waren viel zu Fuß unterwegs, denn die Kolik hatte ihm einiges abverlangt, er verlor immer mehr an Muskeln und in seinem Alter war es immer schwerer diese wieder aufzubauen. Als er letzten Sommer dann auch noch zum Exzemer wurde, immer weniger Spaß an der Arbeit hatte und über Wochen hinweg Bronchitis- und Koliksymptome zeigte, war ich mit meinen Kräften am Ende. Irgendwie musste ich meinem geliebten Schatz doch helfen können! In verschiedene Facebook-Gruppen hörte ich mich um, ließ sogar eine Tierkommunikation machen und suchte bei einigen Pferdefreunden Rat und dann fiel der Entschluss: Honrado zieht ein letztes mal um.

Das letzte gemeinsame Foto bisher

Das letzte gemeinsame Foto bisher

Im November letztes Jahres betrat mein geliebter weißer Riese den Pferdehänger und trat seinen Weg Richtung Meer an. Ich, noch in Thüringen wohnend, habe mein Pferd jetzt ca. vier Stunden von mir entfernt stehen – und es war für ihn das Beste, was ich hätte tun können. Seine Bronchitis klang innerhalb von drei Wochen ab, er behauptet sich mittlerweile sogar als Herdenchef gegen Junghengste und bringt den Jungspunden Manieren bei. Die Seeluft tut meinem Opi so gut, dass er nun doch wieder richtig aufgeblüht ist. Ich hoffe sehr, dass sie auch das Sommerexzem fern hält.

Es war eine schwere Entscheidung und ich habe oft mit mir gehadert und vermisse ihn jeden Tag, doch ich würde diesen Schritt immer wieder tun. Er lebt frei und glücklich dort oben, wird von einem kleinen Mädchen betüdelt – er liebt Kinder! – und ist dort bestens versorgt. Was wäre die Alternative gewesen? Tägliches Inhalieren, Medikamente, vielleicht sogar tagsüber Boxenknast im Sommer. Wie hätte ich ihm das guten Gewissens antun können? Gar nicht! Ich habe meinem Rentnerpferd ein medikamentenfreies und schönes Leben an der Ostsee ermöglicht und ich schreibe das hier mit Tränen in den Augen, aber mit einem Lächeln auf den Lippen.

Natürlich gehört er immer noch voll und ganz mir, denn ich habe ihm, als ich in damals gekauft habe, versprochen, dass ich ihn niemals wieder hergebe. Und auch wenn uns hunderte Kilometer trennen, hätte ich ihn niemals vollkommen abgeben können.

Er ist und bleibt mein Baby, mein Opi, mein Honi.

Er ist und bleibt mein Baby, mein Opi, mein Honi.

Eure

-Riklinde

6 Kommentare zu “[Herzensangelegenheit] Ein Pferd für Riklinde

  1. So ein toller Post und die Bilder sind einfach richtig süß! EureGeschichte ist einfach so mitreißend, dass ich selbst Tränen in den Augen hab. Ich finds richtig super wie du Honi nie aufgegeben hast und sogar die finanzielle und zeitliche Belastung auf dich nimmst um ihm ein gutes Leben zu geben! Ich finde es auch bewundernswert, wie du ihn immer wieder gepflegt hast und alles für ihn getan hast. Das ist nicht selbstverständlich! Respekt! 🙂
    Aber was ich auch sagen muss, an einigen Stellen musste ich doch schmunzeln 😀 Zum Beispiel als du das von deiner Mutter erzählt hast oder dass er dein Hundeaffenpferd ist 😀
    Ich würde mich auf jeden Fall freuen mehr über euch zu lesen! 🙂

    Liebst Chichi ♥

    http://urban-and-country.blogspot.de/

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    • Vielen lieben Dank, liebe ChiChi! Das freut mich, dass unsere Geschichte so mitreißend ist! 🙂
      Ich werde auf jeden Fall davon berichten, wenn ich ihn besuchen fahre, was halt bei der Entfernung und weil mein Freund genau in der entgegengesetzten Richtung wohnt schon recht schwierig ist. Ich hoffe aber, dass es demnächst Vllt doch endlich mal klappt!
      Ich hab mich über deinen Kommentar auf jeden Fall sehr gefreut- Danke schön! ❤️

      Fühl dich gedrückt,
      Riklinde

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  2. Eine sehr schöne und rührende Geschichte – liegt dir scheinbar im Blut, also wichtige Beziehungen, die auch über hunderte von Kilometern halten 🙂 ich finde es toll von dir, dass du seine Bedürfnisse vor deine stellst und krass, dass du deswegen sogar dein Studium abgebrochen hast. Was hast du denn studiert?

    Das Wort „Hundeaffenpferd“ ist eine sehr schöne Wortkreation, klingt sehr knuffig :))

    Alles Liebe 🙂

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    • Oh, das hast du aber lieb gesagt, vielen Dank! 🙂
      Ich habe an der Uni in Halle Soziologie und Germanistik studiert. Hat mir auch sehr viel Spaß gemacht und ich war gar nicht mal so schlecht, aber die Ausbildung bringt mir finanziell gesehen momentan einfach mehr. Aber vielleicht nehme ich das Studium später nochmal auf. 🙂
      Er hat wirklich viele Spitznamen, aber Hundeaffenpferd hat sich am Längsten gehalten, wahrscheinlich weil es einfach so gepasst hat. Er ist einfach eine absolut treue Seele und manchmal ein richtiger Clown. Hat nur noch gefehlt, dass er anfängt zu bellen und sich von Ast zu Ast schwingt. 😀

      Ich hab mich sehr über deinen Kommentar gefreut – vielen Dank!

      Liebste Grüße,
      Riklinde

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      • Nichts zu danken 🙂
        interessante Fächer! ja, nachvollziehbar, dass eine Ausbildung die bessere Lösung war. ja, heutzutage ist es völlig normal beruflich „verschlungene“ Wege zu gehen 🙂
        haha es ist so schön zu lesen, wie sehr er dir am Herzen liegt, die Liebe sprüht nur so aus den Zeilen heraus! 🙂 ❤

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  3. Pingback: [Herzensangelegenheit] Warum ich bogge… oder auch: Ein Geständnis | schwarzbuntgestreift

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